2019

Medizinische Wearables – Sinnvolle Helfer oder nur Schnickschnack?

Wearables, also kleine technische Geräte, die am Körper getragen werden, kennen viele aus ihrem Alltag. Da gibt es beispielsweise die Smart Watches, die vom lockeren Waldspaziergang bis hin zum Triathlon sämtliche Aktivitäten aufzeichnen oder Ringe, die die Herzfrequenz messen und den Schlaf dokumentieren. Die Nachfrage nach solchen Produkten ist in den vergangen Jahren rasant gestiegen – dementsprechend stark boomt auch der Markt.* Bislang werden die Wearables vor allem als Fitness- und Lifestyle-Produkte genutzt. Doch für die smarten Alltagshelfer gibt es auch in der Medizin verschiedene Anwendungsfelder und großes Entwicklungspotenzial.

Wearables als Medizinprodukt

In der Digitalisierung des Gesundheitswesens spielen die Wearables eine wichtige Rolle, sind sie doch in allen Phasen der medizinischen Versorgung einsetzbar. Schon heute gibt es im Bereich der Diagnose tragbare Geräte, die medizinisch genaue Elektrokardiogramme (EKG) liefern und so die Gesundheit des Herzens kontinuierlich überprüfen. Auf Wunsch lassen sich die Daten automatisch mit dem Arzt teilen, der sich bei bedenklichen Werten einschalten kann. Medizinische Wearables beschränken sich dabei nicht auf Armbänder oder Uhren, sondern werden in unterschiedlichen Formen eingesetzt, die sich dem jeweiligen Krankheitsbild anpassen. Forscher der Hochschule Niederrhein entwickeln derzeit beispielsweise intelligente Kniebandagen für Patienten mit Kreuzbandriss. Die Bandage kontrolliert die Belastung des lädierten Knies und sendet im Falle einer Fehlhaltung einen Reiz an den Patienten, der die Haltung daraufhin korrigieren soll.**

Auch klassische Medizinprodukte gibt es schon in der smarten Variante. Sogenannte Smart Patches sind die intelligente Weiterentwicklung von herkömmlichen Pflastern. Diese elektronischen Pflaster sind mit Sensoren ausgestattet und messen verschiedene Vitalwerte, welche die Patienten dann auf ihr Smartphone übertragen können. Außerdem können die Smart Patches individuell benötigte Mengen an Medikamenten verabreichen. Andere Wearables sind auf bestimmte Krankheiten wie beispielsweise Diabetes spezialisiert - sie erleichtern unter anderem die Messung der Blutzuckerwerte.

Monitoring im Alltag

Der Vorteil solcher Geräte liegt darin, dass sie die Gesundheit des Patienten im alltäglichen Leben überwachen, protokollieren und im Zweifel die Kommunikation mit dem behandelnden Arzt beschleunigen. Anhand der gesammelten Daten können die Ärzte außerdem die Auswirkungen bestimmter Medikamente über Tage oder Wochen nachvollziehen. Die Wearables verschaffen dem Patienten mehr Eigenständigkeit, sei es in der Medikation der Medikamente oder der Selbstkontrolle seiner Vitalwerte. Damit soll die individuelle Versorgung der Patienten verbessert werden, besonders in Gebieten, in denen Ärzte rar gesät sind.  

Nachteile von Wearables

Überall, wo solch sensible Gesundheitsdaten erhoben werden, gibt es datenschutzrechtliche Bedenken. Patienten, die Wearables nutzen, sollten genau darauf achten, mit wem sie die gesammelten Daten teilen wollen und wo diese gespeichert werden.*** Auch bei der Regulierung und Zertifizierung der Systeme hakt es noch. Experten raten, bei fehlenden Zertifizierungen – etwa durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) – auf mögliche Validierungsstudien, die die Funktionen der Geräte bestätigen, zu achten.**** Damit ein Wearable als Medizinprodukt eingestuft werden kann, muss es unter anderem seine klinische Wirksamkeit unter Beweis stellen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die smarten Helfer zur ständigen Kontrollinstanz werden können oder Patienten sich zu sehr auf diese verlassen. Denn noch gilt: Einen Arztbesuch mit eingehender Untersuchung ersetzen die Wearables nicht.

 

*) https://www.idc.com/getdoc.jsp?containerId=prUS44901819

**) https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/medizintechnik/article/982079/medizintechnik-sensorpflaster-hilft-kreuzbandriss.html?sh=5&h=1721907053

***) https://www.lead-innovation.com/blog/wie-wearables-die-klassische-medizin-revolutionieren

****) https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article190092755/Medizin-Wearables-Was-taugen-die-neuen-Gesundheitsgeraete.html


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