2018

Wie Künstliche Intelligenz die Pharmabranche verändert

Nur ein Fünftel der deutschen Firmen nutzt zurzeit Künstliche Intelligenz (KI) und weniger als die Hälfte beschäftigt sich damit. Das belegt eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group.* Die Nachricht sorgte beim Digital-Gipfel der Bundesregierung am 3. und 4. Dezember 2018 in Nürnberg für Fassungslosigkeit. Schließlich sind sich führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung einig, dass keine andere Technologie das Leben künftig so verändern wird wie KI.

Das disruptive Momentum macht auch vor dem Gesundheitswesen nicht Halt. Egal, ob Künstliche Intelligenz, Big Data oder Machine Learning: Die Technologien haben das Potenzial, um die Medizin nicht nur besser, sondern auch bezahlbarer zu machen. Um in Zukunft zu profitieren, müssen zunächst jedoch riesige Datenbestände aufgebaut werden. Das bedeutet erhebliche Investitionen, zum Beispiel für den Aufbau von Datenbanken. Außerdem muss der Gesetzgeber datenschutzrechtliche Hürden aus dem Weg räumen. Wenn das geschafft ist, dürften teure Fehldiagnosen, Behandlungsfehler und fehlgeschlagene Therapien abnehmen. Computer und Roboter unterstützen die Ärzte dann immer mehr bei ihrer Arbeit.

Innovation dank KI

Das innovative Potenzial der KI ist für die Pharmahersteller enorm. Die ganze Branche könnte künftig effizienter werden, da KI Routinetätigkeiten übernimmt und so Kapazitäten frei werden. Statt Pathologen zum Beispiel Zehntausende Gewebeproben auf ihre krebserregende Wirkung untersuchen zu lassen, könnten moderne Bilderkennungssysteme bald die Aufgabe übernehmen. Sie würden Proben herausfiltern, auf denen möglicherweise Tumorzellen zu sehen sind. Der Experte müsste diese noch genauer begutachten und würde sehr viel Zeit sparen.

Darüber hinaus kann die Literaturrecherche mithilfe von neuen Such- und Analysesystemen effizienter gestaltet werden. Denkbar wäre, dass Künstliche Intelligenz künftig Wissenschaftlern aus den bis zu 10.000 wissenschaftlichen Veröffentlichungen pro Tag Literatur vorschlägt, die sie interessiert. Zunehmend rücken auch Daten aus der klinischen Praxis in den Fokus. So fallen etwa bei der Nutzung von Konsumelektronik wie Smartphones oder Wearables enorme Datenmengen an, die analysiert werden könnten.**

Fortschritt durch personalisierte Medizin

Große Hoffnungen setzen Ärzte und Wissenschaftler auch in den sogenannten digitalen Zwilling. Dabei handelt es sich um ein virtuelles Abbild eines Menschen, das mit DNA-Daten erstellt wird. Die personalisierte Methode, die mithilfe von Computersimulationen funktioniert, gibt Auskunft über die Wirksamkeit von Therapien und ermöglicht genauere Diagnosen. Fehlbehandlungen und Nebenwirklungen von Medikamenten ließen sich auf diese Weise reduzieren.

Darüber hinaus ermöglichen die Computersimulationen auch sogenannte Augmented-Reality-Anwendungen. Die computergestützte Erweiterung der Realität wird zum Beispiel bei Fußball-Übertragungen eingesetzt, um bei einem Freistoß die Entfernung zum Tor mit einer Linie darzustellen. Die Bilddaten würden im OP präzisere Eingriffe ermöglichen, etwa bei Tumoroperationen. Insgesamt würde der flächendeckende Einsatz von personalisierter Medizin die Therapie deutlich individueller, schonender und kostengünstiger machen.***  

*) https://www.bcg.com/de-de/d/press/BCG_2018_Nov29_GAMMA_AIGap-208523

**) https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/novartis-roche-pfizer-merck-big-pharma-setzt-auf-big-data-gegen-die-forschungsflaute/22931524.html?ticket=ST-2923106-7dNlknnNlHEQkvbjTUpY-ap4

***) https://www.pwc.de/de/gesundheitswesen-und-pharma/der-digitale-zwilling-in-der-medizin.html

 


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