2018

Healthcare Frauen: Weibliche Führungskräfte im Gesundheitswesen

Heute möchte ich Ihnen in meinem Blog eine bemerkenswerte Dame vorstellen, mit der ich die Gelegenheit hatte, über Frauen in Führungspositionen zu sprechen. Ein Thema, das auch bei UCB im Fokus steht. Dr. Vanessa Conin-Ohnsorge wurde aus Begeisterung Ärztin, heute Unternehmerin in der Gesundheitsindustrie. Zudem ist sie Initiatorin und Mitbegründerin der „Healthcare Frauen", dem Netzwerk für weibliche Führungskräfte im Gesundheitswesen. Hier ist das gesamte Interview:

Das Ziel der Healthcare Frauen ist es, Frauen in Führungspositionen zu fördern und zu vernetzen. Gibt es hier im Gesundheitssektor besondere Herausforderungen?
Im deutschen Gesundheitswesen haben wir ca. 36% Frauenanteil in den Führungspositionen – im Vergleich zum Durchschnitt der deutschen Wirtschaft mit 22,6% sind das recht gute Zahlen. Es gibt aber noch sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen. Als Faustregel kann man sagen: In den Top-Unternehmen ist der Anteil an Frauen in Führungspositionen am Geringsten. Es gibt also noch viel zu tun. Und ich bin der Überzeugung, dass wir das ganze Potenzial unserer Volkswirtschaft erst ausschöpfen können, wenn wir unabhängig vom Geschlecht nur die Besten an die Spitze bringen.

Ein wichtiger Teil der Healthcare Frauen Arbeit ist das Mentoring. Was kann man sich darunter genau vorstellen?
Als Mentorinnen begleiten wir junge Frauen in Führungsposition über ein Jahr hinweg. Dabei geht es vor allem um den Austausch. Die Mentorinnen teilen ihre Lebens- und Berufserfahrung, diskutieren aktuelle Themen und geben professionelle Einschätzungen. Es handelt sich für beide Seiten um eine sehr produktive Beziehung.

Geht es vor allem um Kompetenzen oder ist (nach wie vor) ein stärkeres gesellschaftliches Umdenken nötig, um Frauen in Führungspositionen zu bringen?
Kompetenzen müssen unabhängig von Geschlecht gleichermaßen vorhanden sein. Sicherlich ist nach wie vor ein gesellschaftliches Umdenken nötig. Ich denke aber wir müssen hier differenzieren. Von Seiten der Unternehmen beispielsweise erwarten wir, dass das Anstreben der Gleichberechtigung nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, sondern tatsächlich auch gelebt wird. Dabei spielt auch die Öffentlichkeitsarbeit eine große Rolle. Wo sind sie, die Leuchtturmfrauen, die Vorbilder für junge Führungskräfte? Fortschrittliche Unternehmen sollten diese viel stärker nach außen kommunizieren.

Ein weiterer Faktor sind die Männer bzw. Partner an der Seite erfolgreicher Frauen. Für viele scheint es nach wie vor ein Tabuthema zu sein, weniger zu verdienen oder eine andere Rollenverteilung zu wählen. Das hat sicher auch mit einer fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz zu tun. Und dann sind da natürlich die Frauen selbst. Viele haben Vorurteile gegenüber der Rolle als Führungskraft. Dass diese Entscheidung zu viele Opfer mit sich bringe. Hier sind wir tätig und möchten durch das „sichtbar machen“ von „Role Models“ Mut machen.

Geht es bei Ihrem Mentoring auch um Themen der gesunden Führung?
Absolut. Grundsätzlich vereinen die Healthcare Frauen alle Kompetenzen des Gesundheitsmarktes. Bei den Frauen, mit denen wir zusammenarbeiten, geht es ja nicht um Fragen der Fortbildung. Sie sind schon gut, sonst wären sie nicht da, wo sie sind. Damit sie weiterkommen, brauchen sie Expertise in anderen Bereichen. Work-Life-Balance gehört dazu, Stressmanagement und insbesondere auch politische Intelligenz. Dies zahlt in das Thema Gesundheit stark mit ein. Gerade bei den Fragen der Gesundheit kommt den Führungskräften auch eine Verantwortung zu, da sie mit gutem Beispiel vorangehen müssen.

Am 20. Oktober ist Welt-Osteoporose-Tag. Insbesondere Frauen sind häufig von dieser Krankheit betroffen, ihre Leistungsfähigkeit ist nachhaltig bedroht. Was ist Ihre Botschaft an diese Frauen?
Grundsätzlich sollten sich Frauen mit den Risikofaktoren auseinandersetzen, die ihre Leistungsfähigkeit einschränken könnten. Und zwar nicht erst, wenn es bereits zu spät ist. Das Stichwort hier ist Healthy Ageing. Das hat sich auch die WHO zum Thema gemacht. Das Image der Osteoporose als „Alte-Leute-Krankheit“ macht sie erst so gefährlich. Denn während die Folgen oft erst im höheren Alter erkennbar sind, liegen ihre Anfänge bereits deutlich früher. Deshalb sollten wir uns alle schon heute mit ihr auseinandersetzen. Denn die körperliche Mobilität sichert uns auch die geistige Mobilität – heute und auch im höheren Alter.

Frauen und Männer in Führungsstrukturen sind nach wie vor deutlich auf ihr Netzwerk und ihre Angehörigen angewiesen, um eine gelingende Vereinbarkeit zu gewährleisten. Gesunde und mobile Eltern, die unterstützend tätig werden können im Arbeitsalltag von erwerbstätigen Frauen, sind elementar. Folglich ist die Sensitivität für Osteoporose allein schon dafür zu verstärken, um ein mobiles Leben im Alter zu gewährleisten, Unterstützungsprozesse für die Familien zu ermöglichen und die Pflege der Angehörigen zu vermeiden. Dies wäre ein elementarer Ansatz fürs Healthy Ageing.


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