2019

Bundesbürger sind offen für E-Patientenakte und E-Rezept

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) treibt die Digitalisierung des Gesundheitswesens voran. Bis spätestens 2021 müssen die deutschen Krankenkassen den Versicherten digitale Patientenakten anbieten.1 Noch ein Jahr früher soll das elektronische Rezept kommen, so der Plan des Christdemokraten.2 Die Bundesbürger stehen der E-Patientenakte offen gegenüber. Knapp zwei Drittel von ihnen würden sie nutzen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage3 im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Nicht nur die Digital Natives sehen die Vorteile der Technik. Auch bei Älteren besteht Interesse: 60 Prozent der über 65-Jährigen sind für das Angebot aufgeschlossen. Darüber hinaus können sich 63 Prozent der Befragten vorstellen, E-Rezepte zu verwenden.

Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind eine Reihe von Hoffnungen verbunden. So könnten künftig Fehlmedikationen und Doppeluntersuchungen vermieden werden, wenn die Mediziner Zugriff auf die gesamten Gesundheitsdaten der Patienten haben. Außerdem sollen Algorithmen präzisere Diagnosen stellen als Ärzte und Apps Patienten an ihren Therapieplan erinnern.4 Auch die Gesundheitsausgaben könnten dank der Digitalisierung deutlich sinken. Eine Studie5 der Unternehmensberatung McKinsey zeigt, dass jährlich bis zu 34 Milliarden Euro eingespart werden können, wenn die deutsche Gesundheitswirtschaft konsequent digitale Technologien anwenden würde. Einsparungen sind zum Beispiel durch den papierlosen Austausch von Patientendaten oder durch Online-Versandapotheken möglich. Zudem könnte die Nachfrage nach teuren stationären Klinikaufenthalten sinken, weil die Patienten künftig auch per Videochat betreut werden können oder sich per App selbst versorgen. Aktuell stehen beispielsweise bereits Smartphone-Anwendungen zur Verfügung, die Diabetiker bei der Therapie unterstützen.

Ärzte sollen Apps verschreiben dürfen

Solche Apps und Diagnosetools will Spahn künftig per Rezept verschreiben lassen. Das geht aus einem Entwurf für ein neues Digitalisierungsgesetz hervor. Demnach sollen die Kosten dafür von den Krankenkassen übernommen werden. Auf diese Art und Weise will der CDU-Politiker digitalen Gesundheitsanwendungen schneller den Weg in die Regelversorgung ebnen. Darüber hinaus sollen Patienten in Zukunft leichter Ärzte finden, die Online-Sprechstunden anbieten. Dafür will Spahn den Medizinern erlauben, auf ihren Webseiten dafür zu werben. Im vergangenen Jahr hatte der Deutsche Ärztetag entschieden, dass Ärzte Patienten per Videochat behandeln dürfen, auch wenn sie zuvor keinen persönlichen Kontakt hatten. Die entsprechenden berufsrechtlichen Voraussetzungen existieren inzwischen in allen Bundesländern bis auf Brandenburg.6 Das Einsparpotenzial allein durch Teleberatung schätzen die McKinsey-Experten auf 4,4 Milliarden Euro.7

Auch die Vernetzung des Gesundheitswesens will Spahn fördern. Aus diesem Grund sollen Apotheken bis März 2020 verpflichtend an das zentrale Gesundheitsdatennetz angebunden werden, die Krankenhäuser sollen ein Jahr später folgen. Niedergelassene Ärzte, die den Anschluss verweigern, droht bereits eine Kürzung der Honorare aus der gesetzlichen Krankenversicherung.8 Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens spielt die E-Akte laut den McKinsey-Experten eine Schlüsselrolle. So beziffern sie das Einsparpotenzial durch die Umstellung auf neun Milliarden Euro. Der Austausch von Patientendaten gilt zudem als Grundlage für den Fortschritt bei anderen digitalen Gesundheitsservices.

E-Akte soll Impfpass beinhalten

Im Gesetzesentwurf ist auch vorgesehen, die E-Akte künftig mit Befunden, Röntgenbildern oder dem Impfausweis zu befüllen. Das ist ganz im Sinne der Bundesbürger. Von ihnen wünschen sich laut der Bitkom-Studie 98 Prozent einen integrierten Impfpass in der E-Akte. Außerdem wollen 91 Prozent der Befragten einen digitalen Medikationsplan, der auch eine Überprüfung auf Wechselwirkungen beinhaltet. Weitere Wünsche sind das Speichern der Behandlungshistorie (87 Prozent) und die Integration von Daten aus Apps oder medizinischen Geräten (80 Prozent). Wert auf Datenschutz legen zudem 59 Prozent der Deutschen.9

Es ist höchste Zeit, dass Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitsbereichs Fortschritte macht. Andere Länder sind schon viel weiter als die Bundesrepublik. So gibt es in Dänemark zum Beispiel bereits seit mehr als zehn Jahren eine digitale Plattform, auf der die Gesundheitsdaten der Bürger gespeichert werden. Auch Länder wie Estland, Israel und Kanada haben einen deutlichen Vorsprung gegenüber Deutschland.10 Deshalb ist es zu begrüßen, dass zurzeit auch hierzulande etwas vorangeht.

 

1) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/terminservice-und-versorgungsgesetz.html

2) https://www.aerzteblatt.de/archiv/203223/Telemedizin-E-Rezept-soll-zuegig-kommen

3) https://www.pharmazeutische-zeitung.de/e-patientenakte-trifft-bei-buergern-auf-interesse/

4) https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/digitaletransformation/gesundheitswesen-deutschland-koennte-mit-digitaler-medizin-milliarden-sparen/23115490.html

5) https://www.mckinsey.de/news/presse/2018-09-27-digitalisierung-im-gesundheitswesen

6) https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/digitalisierung-so-will-jens-spahn-gesundheits-apps-schneller-zu-den-patienten-bringen/24344290.html

7) https://www.mckinsey.de/news/presse/2018-09-27-digitalisierung-im-gesundheitswesen

8) https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/digitalisierung-so-will-jens-spahn-gesundheits-apps-schneller-zu-den-patienten-bringen/24344290.html

9) https://www.pharmazeutische-zeitung.de/e-patientenakte-trifft-bei-buergern-auf-interesse/

10) https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/digitalisierung-medizin-krankenhaus-1.4421907-2


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