2019

Viele Epilepsie-Patienten stehen ohne Behandlung da

Im Kampf gegen Epilepsie gibt es noch viel zu tun. Die Krankheit ist weit verbreitet: Laut der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ litten 2016 weltweit 45,9 Millionen Menschen daran.* In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Epilepsievereinigung 500.000 Erkrankte.** Doch obwohl sich die Lebensumstände von 70 Prozent der Patienten mithilfe von Medikamenten verbessern lassen, bleiben viel zu viele Menschen unbehandelt. Der Tag der Epilepsie am 11. Februar ist ein guter Anlass, um die Aufmerksamkeit auf diese schwere Krankheit zu richten und zu analysieren, wie wir das Leben der Patienten verbessern können.  

Was ist Epilepsie?

Ein epileptischer Anfall ist wie ein Gewitter im Kopf. Das aus Milliarden Nervenzellen bestehende Gehirn ist für kurze Zeit überaktiv und sendet zu viele Signale. Ob Kind oder Greis – die Krankheit kann jeden treffen. Individuell tritt sie unterschiedlich zu Tage. Ein Anfall kann zum Beispiel so ablaufen, dass der ganze Körper krampft und zuckt, was oft zur Bewusstlosigkeit des Betroffenen führt. Bei anderen Patienten treten hingegen Halluzinationen auf. Kommt es zu einem einzelnen Anfall, muss die Diagnose noch nicht automatisch Epilepsie lauten. Auch Schlafentzug oder Alkohol können der Auslöser für einen Anfall sein. Erst wenn epileptische Anfälle mehrfach ohne erkennbaren Grund auftreten, lässt sich die Diagnose sichern. Nicht nur die Anfälle, sondern auch die Auslöser der Krankheit sind individuell verschieden. So können unter anderem Schlaganfälle, Kopfverletzungen durch Unfälle oder Entzündungen der Hirnhaut zu Epilepsie führen.***

Warum haben nicht alle Betroffenen Zugang zu Therapien?

In Ländern mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen erhält nur ein Viertel der Epilepsiepatienten die benötigte Therapie. Ein Grund dafür ist zum Beispiel die schlechte medizinische Versorgung in vielen Staaten. Doch auch in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen gibt es eine Behandlungslücke. Laut einer 2018 veröffentlichten Studie, die auf Daten aus den Jahren 2013 und 2015 basiert, nahmen zehn Prozent der damals 2,6 Millionen Epilepsiepatienten in den USA keine entsprechenden Medikamente. Darüber hinaus wurde jeder dritte Betroffene nicht durch einen Spezialisten betreut.**** Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig erforscht. Eine Rolle spielt aber wohl, dass manche Patienten an der Richtigkeit der Diagnose und dem Behandlungsplan zweifeln.

Was muss sich künftig ändern?

Eine Diagnose ist für die richtige Therapie des Patienten unbedingt notwendig. Doch mindestens genauso wichtig ist ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Vertrauen ist die Voraussetzung, damit die Betroffenen die Risiken einer Behandlung objektiv einschätzen können -um sich letztlich für oder gegen ein Arzneimittel zu entscheiden. Obwohl antiepileptische Medikamente das effizienteste Mittel gegen Krämpfe sind, gibt es noch weitere Therapiemöglichkeiten wie zum Beispiel viel Schlaf – denn ein Mangel kann die Krankheit begünstigen. Das Einbinden der Patienten in die Wahl der passenden Therapie steigert letztlich deren Akzeptanz und reduziert die negativen Auswirkungen der Krankheit auf ihr Leben. Damit die Patienten Verantwortung übernehmen können, müssen sie die Krankheit künftig besser verstehen. Auch die Öffentlichkeit hat noch Nachholbedarf, was den angemessenen Umgang mit den verschiedenen Krankheitssymptomen angeht.

 

*) https://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(18)30489-7/fulltext

**) https://www.epilepsie-vereinigung.de/epilepsie/krankheitsbild/haufigkeit/

***) http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/epilepsie-wie-die-krankheit-entsteht-wie-sie-sich-behandeln-laesst-a-1251918.html

****) https://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(18)30489-7/fulltext


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