2018

Entlassung aus der Verschreibungspflicht: Der Weg von Levocetirizin in die Rezeptfreiheit

Rezeptfrei oder verschreibungspflichtig: Die Zuordnung von Medikamenten in diese beiden Kategorien diskutiert zweimal im Jahr der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht, der im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beheimatet ist. Das Expertengremium berät über Anträge, die in der Regel von Herstellern gestellt werden. Die Unternehmen möchten, dass bestimmte Wirkstoffe aus der Verschreibungspflicht entlassen werden. Oft ist dabei vom sogenannten „OTC-Switch“ die Rede. Die Bezeichnung geht auf den englischen Namen rezeptfreier Arzneimittel (Over-the-counter drug) zurück. Am aktuellen Beispiel des Wirkstoffes Levocetirizin wird deutlich, wie ein solcher Wechsel abläuft.

Warum sind manche Arzneimittel verschreibungspflichtig?

Die Verschreibungspflicht gilt in Deutschland für Medikamente, die nur von Ärzten verordnet und ausschließlich in Apotheken abgegeben werden dürfen. Die Gründe sind die häufig starken Nebenwirkungen sowie die Missbrauchsgefahr, die von den Wirkstoffen ausgeht. Arzneimittel können aus der Verschreibungspflicht entlassen werden, wenn sie sich jahrelang als sicher erwiesen haben.  Dieser Prozess hat in der Vergangenheit bereits häufig stattgefunden. Einige Arzneimittel gingen aber auch den umgekehrten Weg. So ist das weit verbreitete Schmerzmittel Paracetamol seit dem 1. April 2009 verschreibungspflichtig – allerdings nur in hohen Dosierungen. Für neue Wirkstoffe gilt grundsätzlich eine Verschreibungspflicht für die ersten fünf Jahre.

Gibt es Levocetirizin bald rezeptfrei?

Heuschnupfen-Geplagten sollen schon bald Arzneimittel mit dem Wirkstoff Levocetirizin rezeptfrei zur Verfügung stehen – allerdings nur in Form von Tabletten. Medikamente auf Basis von Saft oder Lösung sind weiterhin verschreibungspflichtig. Am 3. Juli 2018 hat der Sachverständigenausschuss einem entsprechenden Antrag zugestimmt. Ärzte sollen jedoch weiterhin für Kinder und in Ausnahmefällen Levoceterizin auch in Tablettenform verschreiben dürfen. Bei der Erstattung durch die Krankenkasse gelten dann die gleichen Regeln wie bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Damit die Änderung in Kraft tritt, müssen allerdings noch das Gesundheitsministerium und der Bundesrat zustimmen.

Wie hoch ist die finanzielle Entlastung der Krankenkassen und Apotheken?

Jedes Medikament, das zur Selbstmedikation zugelassen wird, entlastet die Krankenkassen und Apotheken. Zuletzt erklärte der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) auf einer Konferenz im Juni 2018 in Berlin, dass jeder in der Selbstmedikation ausgegebene Euro dem Gesamtsystem eine Ersparnis von 17 Euro einbringe. Wie dem Verordnungsentwurf zu entnehmen ist, wurden Arzneimittel mit dem Wirkstoff Levocetirizin im vergangenen Jahr rund 240.000 Mal auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen abgegeben. Mit der Entlassung aus der Verschreibungspflicht kann also gleichzeitig mit einer Entlastung der Apotheken gerechnet werden, die diese Rezepte nun nicht mehr bearbeiten müssen.


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