2019

Endlich Fortschritte bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens

Apps auf Rezept, mehr Online-Sprechstunden und eine bessere digitale Vernetzung: Diese gesundheitspolitischen Fortschritte hat das Bundeskabinett vergangene Woche mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) auf den Weg gebracht, das im Januar 2020 in Kraft treten soll. In dem Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist vorgesehen, dass Krankenkassen künftig für staatlich geprüfte Gesundheits-Apps bezahlen sollen, wenn sie zuvor von einem Arzt verschrieben wurden. Dabei geht es beispielsweise um Anwendungen, die an die regelmäßige Einnahme von Medikamenten erinnern oder mit denen sich Blutzuckerwerte dokumentieren lassen. Zudem ist geplant, dass Patienten leichter Arztpraxen finden können, die Videosprechstunden anbieten. Deshalb sollen Ärzte in Zukunft über ein entsprechendes Angebot auf ihrer Webseite informieren dürfen.1

Auch eine bessere Vernetzung der Akteure des Gesundheitswesens sieht das Gesetz vor. Dementsprechend soll es künftig eine Pflicht für Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser geben, sich an die Telematik-Infrastruktur anzuschließen, um zum Beispiel elektronische Arztbriefe auszutauschen. Ärzte haben bis zum 1. März 2020 Zeit, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Danach drohen bei Missachtung Honorarabzüge in Höhe von 2,5 Prozent. Für Apotheken endet die Frist Ende September 2020, für Krankenhäuser Ende Dezember 2020. Sanktionen sind für sie nicht vorgesehen. Der Bundestag muss dem Gesetzentwurf noch zustimmen.2

Datenschutz der E-Akte muss nachgebessert werden

In der Bevölkerung steigt derweil die Nachfrage nach digitalen Gesundheitsangeboten. Laut einer Umfrage der Kaufmännischen Krankenkasse nutzt derzeit ein Drittel der Befragten zwischen 18 und 50 Jahren digitale Angebote zum Aufzeichnen von Gesundheitsdaten wie Armbänder oder Gesundheits-Apps. Besonders beliebt sind Anwendungen, die die Bewegung digital aufzeichnen wie Schrittzahlmesser. 94 Prozent der Nutzer messen so ihre Fitness. Zudem überwacht jeder Zweite digital seinen Puls und jeder Dritte seinen Schlaf. Als Grund für die Nutzung geben 72 Prozent Selbstkontrolle an, 51 Prozent sehen darin einen Anreiz für eine gesündere Lebensweise und 47 Prozent verwenden sie „aus Spaß“. Bedenken haben viele Bundesbürger aber noch beim Datenschutz. So befürchten 59 Prozent der Befragten, dass ihre Daten missbraucht werden könnten.3

Doch nicht nur bei Fitnessarmbändern und Apps gibt es Datenschutzbedenken, sondern auch bei der elektronischen Patientenakte. Diese müssen Krankenkassen ihren Versicherten spätestens ab dem 1. Januar 2021 anbieten. Das Bundesjustizministerium hat nun durchgesetzt, dass Nutzer von Beginn an festlegen können, welcher behandelnde Arzt welche Daten einsehen darf. Deshalb erarbeitet das Bundesgesundheitsministerium bis zum Herbst einen entsprechenden Gesetzesentwurf. Darüber hinaus soll die neue Vorlage Anwendungen enthalten, die in der E-Akte zur Verfügung stehen müssen, darunter der Impfausweis, der Mutterpass sowie das Untersuchungsheft für Kinder und das Zahn-Bonus-Heft.4

Die Digitalisierung bietet aus meiner Sicht zahlreiche Chancen für die Gesundheitswirtschaft. Im Vergleich zu anderen Ländern muss Deutschland beim Aufbau einer wettbewerbsfähigen digitalen Infrastruktur viel nachholen. Mit dem DVG macht die Bundesregierung einen Schritt in die richtige Richtung. Nun kommt es darauf an, nicht auf halbem Weg stehenzubleiben. Vielmehr müssen schnell die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sensible Daten in der elektronischen Patientenakte optimal geschützt sind. Das ist wichtig, weil die E-Akte die Voraussetzung für viele weitere Innovationen im Gesundheitswesen ist.

 

 

 

1)https://www.pharmazeutische-zeitung.de/apps-auf-kassenkosten/

2)https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/gesetzentwurf-gesundheits-apps-auf-rezept-a-1276653.html

3)https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/104418/Gesundheits-Apps-immer-beliebter

4)https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/104430/Spahn-streicht-Regelungen-zur-elektronischen-Patientenakte

 

 

 

 


Diesen Beitrag teilen