2019

Die Biotechnologiebranche bleibt auf Wachstumskurs

Die Branche der medizinischen Biotechnologie wächst in Deutschland. Medikamente aus gentechnischer Herstellung, wie wir sie auch bei UCB entwickeln, erreichten 2018 einen Anteil von 27,4 Prozent am Gesamtpharmamarkt. Das entspricht einem Anstieg um 1,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.1 Immer mehr Medikamente werden in der Bundesrepublik biotechnologisch hergestellt. Unter den 65 Neuzulassungen waren im vergangenen Jahr 38 Biopharmazeutika – so viele wie nie zuvor. Auch die Zahl der biopharmazeutischen Unternehmen nahm um vier Prozent zu. Diese beschäftigten 49.700 Mitarbeiter, ein Zuwachs von fast sechs Prozent.2

Besonders hoch ist der Nutzen von Biopharmazeutika für Patienten mit Autoimmunerkrankungen. Diese 80 bis 100 Krankheiten, bei denen das Immunsystem körpereigene Zellen und Gewebe schädigt, sind ein Schwerpunkt der deutschen Pharmaindustrie. Etwa fünf bis acht Prozent der Weltbevölkerung leiden zurzeit unter Autoimmunerkrankungen. Eine der häufigsten davon ist Psoriasis. Die auch unter dem Namen Schuppenflechte bekannte Krankheit ist einer der Schwerpunkte unserer Forschung und Entwicklung bei UCB. Insgesamt startete die deutsche Pharmaindustrie im vergangenen Jahr im Bereich der Autoimmunerkrankungen 97 klinische Studien. Damit fand jede fünfte Studie in diesem Teilgebiet statt. Nur zu Krebserkrankungen wurde noch mehr geforscht.3

Gesundheitsstandort Deutschland hat noch Optimierungspotenzial

Damit in Deutschland weiter erfolgreich Biopharmazeutika entwickelt werden können, braucht die Pharmaindustrie verlässliche Rahmenbedingungen. Diese sind eine notwendige Voraussetzung für Investitionen, da die Entwicklung eines Biopharmazeutikums im Schnitt mehr als ein Jahrzehnt dauert und knapp eine Milliarde Euro kostet.4 An einigen Stellen gibt es in Deutschland noch Potenzial für Optimierungen. Erstens wäre eine Stärkung des Gesundheitsstandorts zu begrüßen. Dazu gehört unter anderem, die Arbeit der Zulassungsbehörden innovationsfreundlicher zu gestalten, etwa durch zeitnahe Beratungsgespräche und schnellere Genehmigungsprozesse für klinische Studien. Zweitens sollte mehr Innovationskapital zur Verfügung gestellt werden. Derzeit fehlt in Deutschland im Gegensatz zu den meisten OECD-Ländern noch eine steuerliche Forschungsförderung. Die Bundesregierung hat zwar einen Gesetzesentwurf vorgelegt – doch die geplante Fördersumme von 500.000 Euro pro Unternehmen und Jahr ist aus meiner Sicht noch nicht ambitioniert genug. Drittens gibt es bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens noch viel zu tun. Innovationsfördernd wäre insbesondere eine bessere Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen. Die elektronische Patientenakte, welche die deutschen Krankenkassen den Versicherten bis spätestens 2021 anbieten müssen, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

1)https://www.vfa-bio.de/vb-de/vb-presse/vb-pressemitteilungen/pr-001-2019-medizinische-biotechnologie-mit-bestwerten.html

2)https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/viele-neue-biotech-medikamente-in-deutschland-zugelassen-16253280.html

3)vfa-bio.de/download/bcg-vfa-bio-biotech-report-2019.pdf, S. 4

4)vfa-bio.de/download/bcg-vfa-bio-biotech-report-2019.pdf, S. 63


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