2019

Antibiotika-Resistenzen: UN-Experten schlagen Alarm

UN-Experten warnen vor einer tödlichen Gefahr durch Antibiotika-Resistenzen: In einem aktuellen Bericht* hat eine von den Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufene Koordinierungsgruppe Aktionen gegen resistente Krankheitserreger angemahnt. Laut der sogenannten Interagency Coordination Group on Antimicrobial Resistance sind schnelle Aktionen notwendig, um zu verhindern, dass immer mehr Bakterien immun gegen Antibiotika werden. Sollten keine Maßnahmen ergriffen werden, könnte das bis 2050 weltweit jedes Jahr zehn Millionen Menschen das Leben kosten. Der Anstieg wäre dramatisch. Derzeit liegt die Zahl der weltweiten Todesfälle infolge von Antibiotika-Resistenzen laut der WHO bei etwa 700.000 Menschen pro Jahr.** In Deutschland sind jedes Jahr rund 6.000 Patienten betroffen.***

Das Szenario, vor dem die Fachleute warnen, hätte auch enorme ökonomische Folgen. So vergleichen die Experten die Größenordnung des wirtschaftlichen Schadens von zunehmenden Antibiotikaresistenzen mit der Finanzkrise von 2008 und 2009. Darüber hinaus könnte die unkontrollierte Verbreitung von multiresistenten Keimen dazu führen, dass 24 Millionen Menschen mehr als heute in extremer Armut leben müssen.*

Immer mehr Krankheiten werden unbehandelbar

Antibiotika sind in Human- und Tiermedizin ein wichtiges Mittel, um bakterielle Infektionen zu behandeln. Eine entscheidende Rolle spielen sie beispielsweise bei Transplantationen oder der Versorgung Frühgeborener. Doch immer mehr Bakterien passen sich an und bekannte Antibiotika können sie nicht mehr abtöten. Ein Grund für die steigende Zahl der Resistenzen ist der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika, zum Beispiel bei Virus-Infektionen, gegen die sie nicht wirken. Auch durch falsche Dosierung und mangelnde Einhaltung von Hygienemaßnahmen in Human- und Tiermedizin sowie in der Landwirtschaft können sich die Resistenzen entwickeln und ausbreiten. Der internationale Handels- und Reiseverkehr trägt ebenfalls zur Verbreitung bei.**** Das alles führe dazu, dass immer mehr häufige Erkrankungen wie Atemwegs- oder Harnwegsinfektionen und sexuell übertragbare Krankheiten unbehandelbar werden, so die Expertengruppe.*

Experten empfehlen vier Maßnahmen

Ohne schnelle Gegenmaßnahmen und Investitionen durch die Regierungen müssen nach Einschätzung der Fachleute künftige Generationen unter den katastrophalen Folgen der unkontrollierten Ausbreitung von resistenten Keimen leiden. Um das zu verhindern, empfehlen die Experten vier Schritte. Erstens sollten die Staaten ihre nationalen Aktionspläne gegen Antibiotikaresistenzen ausbauen und vor allem die finanziellen Mittel für die enthaltenen Aktionen erhöhen. Zweitens sprechen sich die Experten für strengere Gesetze aus und fordern Kampagnen, die das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Einsatz der Wirkstoffe steigern. Drittens seien Investitionen notwendig – sowohl in die Erforschung und Entwicklung neuer Technologien und Antibiotika-Alternativen als auch in innovative antibakterielle Wirkstoffe. Viertens fordert die Gruppe, den Einsatz von wichtigen Antibiotika zur Wachstumsförderung von Tieren abzustellen.*****

Die Umsetzung dieser Empfehlungen könnte nach Einschätzung des WHO-Generaldirektors, Dr. Adhanom Ghebreyesus, jedes Jahr Tausenden Menschen das Leben retten. Deshalb ist es notwendig, dass wir uns länderübergreifend verständigen und entsprechend handeln.

 

 

 

*) https://www.who.int/news-room/detail/29-04-2019-new-report-calls-for-urgent-action-to-avert-antimicrobial-resistance-crisis

**) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/102758/Antibiotikaresistenzen-Expertengruppe-der-Vereinten-Nationen-schlaegt-Alarm

***) https://www.zdf.de/nachrichten/heute/arte-zeigt-dokumentation-zu-antibiotika-und-gefahr-durch-resistente-keime-100.html

****) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/a/antibiotika-resistenzen.html

*****) https://www.who.int/news-room/detail/29-04-2019-new-report-calls-for-urgent-action-to-avert-antimicrobial-resistance-crisis


Diesen Beitrag teilen