2018

Wie die Patienten vom Pharmadialog in NRW profitieren

Nordrhein-Westfalen stellt die Weichen für eine bessere Patientenversorgung und eine Stärkung des Pharmastandorts: Die schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf hat dieses Jahr mit der Einführung des Pharmadialogs ein positives Signal für die Wirtschaft gesetzt. Thematisch ist das Gremium in die Arbeitsgruppen (AG) Versorgung und Standort unterteilt. Am 8. November fand das Treffen der AG Versorgung bei UCB in Monheim statt. Nicht nur Vertreter der Pharmakonzerne nahmen teil, sondern auch Repräsentanten des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller, des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen sowie des Landesministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

Die AG Versorgung setzt sich dafür ein, dass auch künftig sichere und hochwertige Arzneimittel zur Verfügung stehen und es nicht zu Versorgungs- oder Lieferengpässen kommt. Ein zusätzliches Ziel ist die Weiterentwicklung der Therapiesicherheit mithilfe von personalisierter Medizin und neuen Arzneimittelentwicklungen. Insbesondere tritt UCB in der AG für drei weitere Schwerpunkte ein: Erstens halten wir eine Vermeidung von Mehrfachregulierung für sinnvoll. Der Hintergrund ist, dass NRW das einzige Bundesland mit zwei Kassenärztlichen Vereinigungen ist. Die Unterschiede in der Regulierung führen dazu, dass Ärzte bei Verordnungen unsicher sind und die Patientenversorgung sich an zwei Orten teilweise erheblich voneinander unterscheidet. Unser Ziel ist eine Sicherung des Leistungsanspruchs der Patienten unabhängig vom Wohnort auf Basis einer vergleichbaren, hohen Versorgungsqualität. Zweitens unterstützen wir eine Stärkung der Gesundheitskompetenz der Patienten. Gesundheitskompetenz unterstützt die Patienten dabei, im Alltag selbständig gesundheitsbezogene Entscheidungen zu treffen. Damit ist Gesundheitskompetenz eine Grundvoraussetzung für Gesundheit. Um diese Kompetenz der Patienten weiter zu stärken, gilt es die Orientierung im Gesundheitssystem zu vereinfachen – hierzu muss der Zugang zu verlässlichen, verständlichen und unabhängigen Informationen weiter verbessert werden.  Darüber hinaus unterstützt eine verbesserte Gesundheitskompetenz auch das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen. Unsere Absicht ist, dass Patienten sich künftig aktiver um ihre Gesundheit kümmern und mehr Kontrolle haben. Drittens setzen wir uns für die Arzneimittelsicherheit ein. Dazu gehört die Beibehaltung des fälschungssicheren Vertriebswegs, die Umsetzung der Arzneimittelfälschungsrichtlinie sowie die Vermeidung von Liefer- und Versorgungsengpässen. Insbesondere gefälschte Arzneimittel sind in der Vergangenheit leider verstärkt in der Versorgung aufgetaucht und gefährden die Gesundheit und das Leben der Patienten. Oft enthalten Arzneimittelfälschungen keine oder nur geringe Mengen des eigentlichen Wirkstoffs oder sogar gänzlich andere Wirkstoffe. Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln, insbesondere beim Kauf im Internet, hat weltweit stark zugenommen: Alleine im Jahr 2012 wurde die Schadenhöhe durch Arzneimittelfälschungen von der Weltgesundheitsorganisation WHO auf etwa 430 Milliarden US-Dollar geschätzt. Um den Anforderungen der Fälschungsrichtlinie der Europäischen Union technisch gerecht werden zu können, arbeiten Biotechnologie-Unternehmen wie UCB bereits seit einiger Zeit an der Umrüstung ihrer Produktionslinien. Künftig erfolgt die Echtheitsprüfung eines Arzneimittels anhand der Seriennummer auf der Arzneimittelpackung – so können Arzneimittelfälschungen frühzeitig identifiziert werden, bevor sie den Patienten erreichen.

AG Standort will Rahmenbedingungen in NRW verbessern

Zu den Themen der AG Standort zählt die Verbesserung der Rahmenbedingungen für pharmazeutische Forschung, Entwicklung und Produktion sowie die Stärkung des Pharmastandorts Nordrhein-Westfalen. Zum einen werben wir im Rahmen der AG für Bürokratieabbau und die Vereinheitlichung der Arzneimittelüberwachung. Der Hintergrund ist, dass die Arzneimittelüberwachung eine Kompetenz der Bundesländer ist. Die Kontrolle übernehmen sogenannte GMP-Inspektorate, die wiederum in Bezirke unterteilt sind. Allein in NRW gibt es sechs solche Einrichtungen. Zusätzlich existiert mit der Zentralstelle der Länder für Gesundheitsschutz bei Arzneimitteln und Medizinprodukten (ZLG) eine gemeinsame Koordinierungsbehörde auf Bundesebene. Unser Ziel ist eine stärkere Kontrolle durch die ZLG zur Vereinheitlichung der Arzneimittelüberwachung. Zum anderen treten wir für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen von klinischen Studien ein. Um eine klinische Studie möglichst frühzeitig beginnen zu können, sollten auch die zugrundeliegenden Verträge zwischen den Beteiligten schnell und einfach, aber inhaltlich umfassend abgeschlossen werden können. Vor diesem Hintergrund wäre es zielführend, wenn die potentiellen Vertragspartner über Kostenkalkulationstools verfügen, die es ihnen erlauben eine fundierte Kostenrechnung aufzustellen. Dies ist bis heute nicht der Fall und führt im Ergebnis immer wieder zu zeitlichen Verzögerungen des Starts von klinischen Studien in Deutschland und in NRW – eine Verbesserung wäre hier wünschenswert, weil Deutschland nach den USA das Land ist, in dem die meisten klinischen Studien durchgeführt werden. Die Triebfeder aller unsere Bemühungen beim Pharmadialog NRW und darüber hinaus ist immer dieselbe: Wir wollen die Lebensbedingungen der Patienten verbessern.


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