2019

UCB treibt mit Partnern die Entwicklung von Medikamenten für Kinder voran

Jedes zweite Medikament, das bei Kindern zum Einsatz kommt, ist nur an Erwachsenen getestet worden. Das geht aus einer Studie der Innovative Medicines Initiative (IMI), einer öffentlich-privaten Partnerschaft der EU-Kommission und der europäischen Pharmaindustrie hervor.1 Doch was Erwachsenen medizinisch hilft, kann bei Kindern fatale Nebenwirkungen auslösen oder ineffektiv sein. Das liegt an Unterschieden beim Körperbau und den inneren Organen. Ein breites Bündnis, zu dem auch UCB gehört, hat nun die Initiative „connect4children“ (c4c) gegründet, die sich dafür einsetzen soll, die Medikamentenentwicklung für Kinder zu verbessern. An dem Projekt sind fast 600 Partner beteiligt, darunter zehn europäische Pharmaunternehmen und 33 akademische Einrichtungen. Der Initiative stehen bis 2024 mehr als 140 Millionen Euro zur Verfügung; davon stammen 73 Millionen Euro von der europäischen Pharmaindustrie.2

Der Bedarf für eine Verbesserung der Medikamentenentwicklung ist hoch. So scheitern Kinderstudien derzeit vor allem daran, dass es nicht genügend Testpersonen gibt. Das liegt daran, dass nur jeder fünfte Deutsche überhaupt infrage kommt. Aus diesem Personenkreis müssen noch fünf Altersgruppen gebildet werden, sodass die Zahl potenzieller Kandidaten überschaubar ist. Zudem dürfen klinische Studien – anders als bei Erwachsenen – nur an kranken Kindern vorgenommen werden, was die Zahl der möglichen Probanden weiter einschränkt. Die c4c-Initiative möchte die Zahl der Studien erhöhen, indem zum einen bestehende Expertisen in Europa gebündelt werden. Deshalb soll es bald eine zentrale europäische Anlaufstelle für Sponsoren, Standorte und Forscher geben. Zum anderen ist geplant, einheitliche europäische Prozesse und Qualitätsstandards bei der Durchführung klinischer Studien zu entwickeln und eine Bildungsplattform zu gründen.

Für Neugeborene fehlen spezielle Medikamente

Insbesondere im Bereich der Neugeborenen-Intensivmedizin stehen bislang kaum Medikamente zur Verfügung, die an Kindern getestet wurden. Der Anteil von entsprechend erprobten Arzneimitteln liegt in diesem Bereich bei zehn Prozent, schätzt Professor Fred Zepp, Direktor des Mainzer Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin.3 Das bringt Kinderärzte oft in die Situation, dass sie keine andere Wahl haben, als Medikamente zu verabreichen, ohne auf eine solide wissenschaftliche Datenbasis zurückgreifen zu können. In diesem Fall besteht die Schwierigkeit darin, die richtige Dosierung zu finden. Dafür ist eine individuelle Abschätzung der Faktoren Gewicht, Alter und Entwicklungsstand notwendig. Ungeeignet ist hingegen die Methode, den Kindern einfach die halbe Dosis eines Erwachsenen zu geben. Doch auch bei Berücksichtigung aller individuellen Faktoren sind Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

Im Klinikalltag setzen Kinderärzte besonders oft Medikamente ohne Zulassung für Kinder ein, die bereits lange auf dem Markt sind. Deshalb ist der Bedarf nach einer Nachzulassung hier besonders hoch. Die c4c-Initiative berücksichtigt dies und lässt deshalb unter anderem die Wirksamkeit des Schmerzmittels Paracetamol auf Frühgeborene, die unter einer bestimmten Fehlbildung am Herzen leiden, untersuchen. Im Rahmen der Studie sollen 600 Säuglinge beobachtet werden.4

Aus meiner Sicht ist die c4c-Initiative ein wichtiger Schritt, um die Medikamentenentwicklung für Kinder zu verbessern. Zum einen kann durch gemeinsame Aktivitäten auf europäischer Ebene das Problem der schwierigen Suche nach Probanden besser gelöst werden. Zum anderen stärkt die Kooperation bei der Entwicklung von Arzneimitteln für Kinder auch die Wettbewerbsfähigkeit Europas.

 

Quellen:

  1. https://www.imi.europa.eu/projects-results/project-factsheets/c4c
  2. https://www.pharma-fakten.de/news/details/807-conect4children-arzneimittelentwicklung-fuer-kinder/
  3. https://www.swr.de/swr2/wissen/SWR2-Wissen-Bessere-Medikamente-fuer-Kinder,broadcastcontrib-swr-29394.html
  4. https://www.pharma-fakten.de/news/details/807-conect4children-arzneimittelentwicklung-fuer-kinder/

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