2019

Deutsche wollen mehr Tempo bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens

Die Zukunft der Gesundheitsversorgung ist digital. Doch die Deutschen müssen weiter auf die Einführung von Innovationen wie die elektronische Gesundheitsakte oder das E-Rezept warten. Kein Wunder, dass jeder zweite Bundesbürger mit dem digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen unzufrieden ist. Mehr als jeder Dritte schätzt die Digitalisierung von Krankenhäusern und Arztpraxen sogar als rückständig ein. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Sopra Steria Consulting unter 1200 Bürgern und 35 Gesundheitsexperten aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Spanien hervor. Demnach hadern die Deutschen mehr mit der Digitalisierung ihres Gesundheitssystems als die Befragten in den anderen Ländern.1

Nach Ansicht der Experten ist der größte Digitalisierungsbremser in Deutschland das föderale System und die damit verbundene dezentrale Organisation. Dies habe im IT-Bereich zu vielen Einzelinitiativen und Insellösungen geführt, die untereinander nicht kompatibel sind. Die Folgen sind Schwierigkeiten bei der Vernetzung von Kliniken, Krankenkassen, Apotheken, Ärzten, Therapeuten und Patienten. Zudem stehen Innovationen häufig Datensicherheitsbedenken im Weg. Diese Hürden ließen sich jedoch durch Standards und Kontrollen der Anbieter überwinden.1

Skepsis gegenüber Anwendungen von Tech-Riesen

Obwohl die Digitalisierung im Gesundheitswesen hierzulande noch weitgehend Zukunftsmusik ist, zeigen sich die Deutschen offen für die Unterstützung von Behandlung und Pflege durch Innovationen. So halten drei von vier Bundesbürgern digitale Lösungen für eine Chance, um das Gesundheitswesen zu verbessern. Jeder Zweite erhofft sich außerdem eine bessere Patientenorientierung, etwa durch Video-Sprechstunden. Doch bei der Umsetzung in die Praxis hinkt Deutschland digitalen Vorreitern wie Belgien und Norwegen hinterher. Dementsprechend haben 44 Prozent der Deutschen das Gefühl, dass sich das Gesundheitswesen in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert hat. Ein Ausweg könnte laut der Studie in neuen Finanzierungs- und Anreizmodellen für die Entwicklung digitaler Lösungen liegen.2

Die Zeit drängt, denn die Experten befürchten, dass bei weiteren Verzögerungen Technologiekonzerne wie Google, Amazon & Co. den Markt dominieren werden. Diese investieren im Gesundheitsbereich bereits massiv. Sollten sie hierzulande eine marktbeherrschende Stellung erlangen, wäre die Folge, dass die Souveränität über die Patientendaten verlorengeht.3 Das ist nicht im Sinne der Deutschen. Nur 21 Prozent von ihnen glauben, dass die Anwendungen der US-Konzerne zur Verbesserung des Gesundheitswesens beitragen.4

Ich bin überzeugt, dass die Digitalisierung für alle Akteure des Gesundheitswesens eine große Chance ist. Es mangelt allerdings an der Umsetzung. Die Deutschen erwarten zu Recht, dass die Beteiligten nun endlich liefern.

 

Quellen:


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